Abstrakt "Limbosis" (Eigenproduktion 30.10.2015)


Abstrakt aus dem polnischen Poznan spielen einen nicht gewöhnlichen, schrägen und kernig vitalen Mix aus Post Rock und Prog Metal mit der typisch polnischen Ader für Melancholie, Melodie und Düsternis. 8 Tracks sind auf dem Debütalbum zu hören, die zusammen 73:50 Minuten füllen. Vier Tracks sind über 10 Minuten lang, die anderen nicht viel kürzer, mit 6:32 Minuten ist "Liars Symphony" der mit Abstand kürzeste Song. Abstrakt - guter Bandname übrigens, erstaunlich, dass sich die Bands dieses Planeten nicht darum schlagen - pflegen das Longtrackformat und sie haben die Ideenfülle, das ansprechend und kurzweilig zu tun.
Zuerst einmal ist die schön drahtige Heftigkeit der knackfrisch arrangierten Songs, die metallische Härte sehr gut anzuhören. Und trotz der harten Gitarren, des komplexen Schlagzeugspiels und der wummernden, druckvollen Songs gibt es popaffine Parallelen. So sind die Gitarrensounds von frühen U2 bekannt, sind dezente Wave- und Gothic-Einflüsse zu hören, die das progressive Arrangement nicht in Richtung Simplizität und Eingängigkeit ziehen, sondern der Band und ihrer metallischen Härte eigenen Charakter geben. Wie Abstrakt mit ihren Einflüssen umgehen, ist beeindruckend. Da sind kaum alte Prog-Ideen zu hören. Die Art Komplexität des alten Progressive Rock ist hier ebenso wenig zu finden wie verschnörkelter Symphonic Prog. Abstrakt sind eher Math-orientiert, spielen sehr technisch und bauen ihre komplexen Ideen auf rasanter Rhythmusbruchlandschaft auf. Jeder Song hat eine enorme Ideenfülle, die Themen wechseln sich stetig ab, Basisthemen verbinden die verschiedenen Parts und druckvolles Metal-Schreddern führt ins Epische, wo melodische Ansätze auslaufen.
Parallelen sind zu Tool, Riverside und artverwandten Combos zu finden. Abstrakt machen nix nach, indem sie die ausgetretenen Pfade genannter Bands weiter auslatschen, sie haben ihren eigenen Charakter, allerdings in der Inspiration ihrer Vorbilder. Als einzige Inspiration aus der Vorzeit können King Crimson (ab "Lark's", mehr noch "Discipline") genannt sein, aber dies nur als ferner Verwandter.
Die Klarheit der Songs, das technisch rasante, erstklassige Spiel, die vitalen Ideen und der innere Rhythmus, der das gesamte Album trägt und hier Kinderchor, dort Didgeridoo, Gast-Synthesizer und Trance-artige, hypnotische Verschlingungen mit sich bringt, um seine Kinder zu sammeln und zu fesseln, sind echt und überzeugend.
Bester Song: "Clockhouse". Wie hier der große Kinderchor agiert - Gänsehaut!

abstraktband.com
justforkicks.de

VM




Zurück