Colours Jazz Orchestra "Home away from home" (Neuklang 2015)


Der in Singapur geborene und in Boston lebende Jazzkomponist Ayn Inserto schrieb diese sieben Stücke aus seiner Verliebtheit zum italienischen Land. "The first time I went to Italy, I fell in love." Wer nicht. "Home away from home" ist das bereits dritte Werk des Komponisten. Eingespielt hat es das Colours Jazz Orchestra, eine italienische Bigband.
Starke klassische Jazzbezüge (partiell bis zum Dixieland) prägen das Werk. Gut in Swing gebettet, auf enorm starker rhythmischer Basisarbeit (die weit mehr als énur' Basis macht und vital und vielfach ins melodische Geschehen eingreift), oftmals Rock- und Funk-geprägt, arbeitet die 14-köpfige Blechbläserschar samt Piano-Gitarre-Bass-Schlagzeug - Ergänzung energisch dynamische Tracks ebenso wie balladesk nachdenkliche Motive aus, die stets sehr lebhaft bis mitreißend anzuhören sind.
In allen Tracks gibt es neben der virtuosen Bigband-Interpretation, in der die Bläser für stürmischen Rausch sorgen, saftige bis elegische Soli zu hören, die einerseits jazzklassisch lyrisch eingängig sein können, auf der anderen Seite hochemotional auffahren, ohne indes ins freie Feld zu stoßen. "Home away from home" ist kein experimentelles Bigband-Werk, sondern ein geerdet basisorientiertes mit hohem melodischen Ausbau und intensiv lyrischer Aussage.
Das acht Minuten dauernde "Hang Around" ist stark Groove-basiert, baut auf lässige Funk-Motive, hier gibt es passender Weise ein rasantes Schlagzeugsolo. Die starke Bläserabteilung hält das Motiv zuerst etwas starr und fest in der Hand, um das Thema in den Wahnsinn zu treiben, was zuletzt auch Ausdruck der Komposition ist. Wie lebhaft! Grandios - - -
Es passt, das im Anschluss das 9:23 Minuten andauernde "La Danza Inifnita" als breit angelegtes Stück fast symphonischen Charakter hat und seine tiefe Melancholie fast wie Filmmusik bildstark betreibt.
Einzig "Subo" als das Album abschließende Stück ist etwas sehr leichtgewichtig. Das Tijuana-Motiv ist weniger italienischen Charakters, schwingt schnell in den Kopf und ist als lateinamerikanische Tanznummer sehr hübsch. Nun, in Italien kann man dazu Weißwein trinken und den Tänzern zuschauen, die den abendlichen Dorfplatz beleben.
Fröhlich lebhaftes, 52:52 Minuten dauerndes Album für Bigband-Freunde, die ihren Bigband-Jazz ohne Experimente und Free-Ausflüge mögen. Trotz des letzten Tracks kein Leichtgewicht-Album.

ayninserto.com
VM



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